Orientiere dich am Wasser, nicht am Weg zum Ufer
Beim Winterpaddeln kann das eigene Wärmegefühl täuschen. Während du dein Kajak zum Wasser trägst, wird dir vielleicht warm. Anschließend sitzt du lange mit kaum bewegten Beinen im Boot, während kalter Wind über das Wasser zieht.
Ein Trockenanzug hält Wasser von der Haut fern, bietet allein aber wenig Wärmeisolierung. Wie warm du bleibst, hängt vor allem von der Kleidung darunter ab – besonders bei einer Kenterung. Richte deine Kleidung deshalb nach der Wassertemperatur und den Bedingungen bei einem möglichen Wiedereinstieg aus, nicht nur nach der Anstrengung beim Paddeln.
Beginne mit einer bequemen Basisschicht
Trage ein langärmeliges Oberteil und eine lange Unterhose aus Merinowolle oder Kunstfaser. Beide Materialien eignen sich gut, um Feuchtigkeit von der Haut wegzuleiten. Wichtig ist, dass die Kleidung angenehm sitzt und unter dem Trockenanzug keine Falten wirft. In unserer Funktionsunterwäsche findest du passende Kleidungsstücke für die erste Schicht.
Baumwolle lässt du besser zu Hause. Sie speichert Feuchtigkeit und kann sich unangenehm kalt anfühlen, sobald du langsamer paddelst oder eine Pause machst.
Ergänze eine passende Wärmeschicht
Über die Basisschicht kommt Fleece, Wolle oder ein Unterzieher für Trockenanzüge. Eine Kombination für jede Wintertour gibt es nicht. Berücksichtige Wassertemperatur, Wind, Dauer der Tour und dein geplantes Tempo. Je kälter das Wasser, desto wichtiger ist ausreichende Isolation unter dem Anzug.
Ein einteiliger Unterzieher kann im Kajak besonders angenehm sein: Er bleibt auch dann am unteren Rücken an Ort und Stelle, wenn du den Oberkörper drehst. Einzelne Kleidungsstücke funktionieren ebenfalls gut, solange sie sich an der Taille überlappen und im Sitzen nicht hochrutschen.
Probiere die vollständige Kombination zu Hause mit angelegter Schwimmweste aus. Setz dich mit nach vorn ausgestreckten Beinen auf den Boden, ähnlich wie im Kajak. Drehe den Oberkörper und greife wie bei einem Paddelschlag nach vorn. Spannt die Kleidung an Schultern oder Knien, passe die Schichten vor der Tour an.
Lass deinen Füßen genügend Platz
Trage Socken aus Wolle oder Kunstfaser in den integrierten Füßlingen des Trockenanzugs. Deine Paddelschuhe sollten darüber passen, ohne die Füße einzuengen. Dicke Socken in zu engen Schuhen sind selten eine gute Lösung für kalte Zehen.
Achte auch darauf, dass die Füßlinge im Schuh glatt liegen. Eine Falte unter dem Fuß kann auf einer längeren Tour unangenehm werden.
Stimme die Wärme auf deine Anstrengung ab
An einem frostigen Morgen ist eine zusätzliche Schicht verlockend. Wenn du aber schon in den ersten Paddelminuten stark schwitzt, kann dich die feuchte Kleidung später auskühlen, sobald du langsamer wirst oder anhältst.
Beim Vorbereiten darf dir noch etwas kühl sein. Achte unterwegs darauf, wie sich Oberkörper, Beine und Füße anfühlen, und nutze diese Erfahrung für die nächste Tour. Bei sehr kaltem Wasser solltest du genügend Wärmereserve für eine unerwartete Kenterung einplanen.
Paddlespot-Tipp: Am Oberkörper kann eine wärmende Schicht weniger sinnvoll sein als an den Beinen. Dein Oberkörper arbeitet beim Paddeln, während die Beine relativ ruhig und nah am kalten Wasser bleiben. Teste die Kombination auf einer kurzen Tour in Ufernähe und passe sie an die Bedingungen an.
Vor dem Ablegen
- Trage oben und unten eine Basisschicht aus Merinowolle oder Kunstfaser.
- Wähle wärmende Schichten passend zur Wassertemperatur und zu deinem Tempo.
- Prüfe, ob du frei paddeln, den Oberkörper drehen und wieder ins Kajak einsteigen kannst.
- Achte darauf, dass Socken und Schuhe deine Füße nicht einengen.
- Kontrolliere Reißverschluss und Abschlüsse des Trockenanzugs. Nimm trockene Ersatzkleidung für Hände und Kopf mit.
Wenn die Schichten gut zusammenspielen, kannst du die Stille auf dem winterlichen Wasser genießen, statt nur die Kälte auszuhalten.
